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Rekord für Gelbe Karten: die Sünderkartei der Bundesliga

Rekord für Gelbe Karten: die Sünderkartei der Bundesliga

Gelbe Karten gehören zum Spiel wie Eckbälle und Auswechslungen. Manche Spieler sammeln sie in einer Dichte, die aus Statistik Geschichte macht.

Gelbe Karten gehören zum Spiel wie Eckbälle und Auswechslungen. Manche Spieler sammeln sie in einer Dichte, die aus Statistik Geschichte macht. 2026 hat Dominik Kohr vom 1. FSV Mainz 05 die ewige Liste der Platzverweise übernommen, und das verändert den Blick auf die Sünderkartei der Liga.

Der neue Rekord: Dominik Kohr an der Spitze

Kohr steht bei neun Platzverweisen in der Bundesliga, drei Mal glatt Rot, sechs Mal Gelb-Rot. Damit zieht er an den bisherigen Rekordhaltern Jens Nowotny und Luiz Gustavo vorbei, die beide auf acht Feldverweise kamen. Für einen zentralen Mittelfeldspieler, der jeden Zweikampf annimmt, ist das keine Randnotiz, sondern das Resultat einer Karriere im Grenzbereich.

Stefan Effenberg

Ein Name, den jeder Bundesliga-Fan kennt. Sein Spiel war körperlich, laut, führungsstark, oft am Rand des Erlaubten. Er kam auf sieben Feldverweise, vier direkte Rote und drei Gelb-Rote.

Christian Wörns steht bei 88 Gelben Karten in 469 Spielen; eine Zahl, die eher für Langlebigkeit als für Hitzköpfigkeit spricht. Sergej Barbarez kam auf 86 Gelbe Karten in 330 Partien. Drei sehr unterschiedliche Spielertypen, drei sehr unterschiedliche Wege zur gleichen Statistik.

Wer solche Karrieren einordnen will, kann sie neben den extremsten Zahlen der Bundesliga-Geschichte lesen, denn Rekorde für Härte funktionieren nach anderen Regeln als Rekorde für Tore oder Spiele.

Der Saisonrekord: Klaus Gjasula und die 17

Karriererekorde brauchen Jahre. Saisonrekorde dagegen entstehen in neun Monaten, und sie sagen oft mehr über eine konkrete Mannschaft aus als über einen einzelnen Spieler. Klaus Gjasula hat 2019/20 für den SC Paderborn 17 Gelbe Karten in einer einzigen Saison gesammelt. Die siebzehnte kam am 31. Spieltag im Spiel gegen Werder Bremen, in der 32. Minute. Danach war die Marke gesetzt.

Vorher hatte Tomasz Hajto den Rekord gehalten, mit 16 Gelben Karten in der Saison 1998/99 beim MSV Duisburg. Beide Spieler verbindet das gleiche Grundmuster: ein Team im Abstiegskampf, in dem der zentrale Sechser immer wieder löschen muss, was andere entzünden. Paderborn stieg 2019/20 ab, und Gjasulas Zahl ist, aus dieser Perspektive, auch eine Chronik eines Teams, das zu oft hinten lag.

Wie oft solche Erzählungen von Fouls, Karten und knappen Entscheidungen bis zum letzten Spieltag reichen, zeigt sich in den dramatischsten Abstiegen der Bundesliga-Geschichte .

Die laufende Saison 2026/27

Zur Spitze der aktuellen Karten-Statistik: Stand 6. Spieltag der Saison 2026/27 führt Raphael Onyedika von Eintracht Frankfurt mit vier Gelben Karten die Rangliste an. Er hat sich damit vor eine Verfolgergruppe mit je drei Verwarnungen gesetzt, zu der Phillipp Mwene (Mainz 05), Felix Uduokhai (Union Berlin), Wouter Burger (TSG Hoffenheim) und Felix Keidel (SV Elversberg) gehören.

Interessant ist, dass Kohrs Verein Mainz 05 bereits in dieser Verfolgergruppe vertreten ist. Die Entwicklung bei den Roten Karten verläuft bisher moderat; bis zum sechsten Spieltag standen zwei Platzverweise zu Buche, einer für Samuele Inácio von Borussia Dortmund und einer für Ron Schallenberg vom FC Schalke 04.

Was die Karten-Statistik erzählt

Die Sünderkartei ist kein moralisches Dokument. Sie beschreibt vor allem Spielertypen und Mannschaftssituationen. Effenberg war der Antreiber eines FC Bayern. Seine Karten gehörten zum Berufsrisiko einer Nummer acht, die immer die unangenehmen Wege nimmt. Wörns, Barbarez und Kohr erzählen ähnliche, aber eigene Varianten derselben Geschichte.

Für die ewige Rangliste zählen vor allem Spieler, die lange in der Liga aktiv waren.

Die Rolle des Schiedsrichters

Ein Punkt, der in der Debatte oft untergeht: Die Zahl der Platzverweise hängt auch an der Regelauslegung.

Dass Gjasulas 17 gut zwanzig Jahre nach Hajtos 16 fielen, zeigt, dass solche Marken selten geworden sind.

Was als Nächstes fallen könnte

Im Fokus steht Kohrs eigener frischer Platzverweis-Rekord, der mit jedem weiteren Feldverweis weiter nach vorn geschoben wird. Er hängt daran, wie lange Mainz ihn im Kader hält und wie die Schiedsrichter die Zweikämpfe eines kampfstarken Sechsers im nächsten Jahr pfeifen.

Quellen