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Die meisten Elfmetertore der Bundesliga-Geschichte

Die meisten Elfmetertore der Bundesliga-Geschichte

Wer an die meisten Elfmetertore der Bundesliga denkt, erwartet einen klassischen Torjäger.

Ein Verteidiger an der Spitze einer Stürmer-Statistik

Wer an die meisten Elfmetertore der Bundesliga denkt, erwartet einen klassischen Torjäger. Stattdessen führt ein Verteidiger die Liste an, und das seit über drei Jahrzehnten. Manfred Kaltz, einst rechter Außenverteidiger des Hamburger SV, hat 53 Elfmeter in der Bundesliga verwandelt und steht damit vor Namen, die eigentlich für Toreschießen gebaut waren.

Guinness World Records führt Kaltz als Rekordhalter für die meisten verwandelten Elfmeter eines Spielers in der Bundesliga. Dass bislang kein Nachfolger den Wert einholen konnte, sagt viel über die Konstanz dieses Rekords aus und noch mehr über die Rolle, die ein ruhiger Elfmeterschütze im Spielsystem seines Vereins einnehmen kann.

Die Zahlen hinter dem Rekord

Kaltz brauchte 60 Versuche für seine 53 Treffer. Eine Quote, die man heute von einem Spezialisten erwartet, die damals aber Pionierarbeit war. Der HSV vertraute ihm die wichtigste Standardsituation an, obwohl sein Spielort gut sechzig Meter vor dem gegnerischen Tor lag.

Hinter ihm liegt Gerd Müller, und das klingt ungewöhnlicher, als es ist. Der Bayern-Stürmer traf aus 63 Versuchen 51-mal vom Punkt. Zwei Tore Abstand nach einer ganzen Karriere, zwischen einem Verteidiger und dem Mann, der Tore sonst wie am Fließband produzierte.

Stand: Dezember 2021 (bundesliga.com) war Robert Lewandowski der beste aktive Elfmeterschütze der Liga-Geschichte. In seiner Zeit bei Bayern München hatte er zu diesem Zeitpunkt 38 Elfmetertore aus 42 Versuchen erzielt, eine Trefferquote, die sich kaum verbessern lässt. Trotzdem fehlten ihm damals noch deutlich mehr als zehn Treffer bis zum Rekord. Ein Hinweis darauf, wie viele Spielzeiten Kaltz Woche für Woche angetreten ist.

Die 100-Prozent-Klasse

Rekorde entstehen nicht nur durch Masse. Einer der eindrucksvollsten Strafstoß-Rekorde gehört einem Spieler, dessen Name heute kaum noch fällt: Hans-Joachim Abel verwandelte 16 von 16 Elfmetern. Er gehört zu einer kleinen Gruppe von Schützen, die bei mindestens zehn Versuchen auf einer makellosen Quote von hundert Prozent stehen.

Drei weitere Namen schafften das Kunststück bei mindestens zehn Versuchen. Ludwig Nolden traf fünfzehnmal in fünfzehn Anläufen. Otto Rehhagel, später als Trainer bekannter denn als Spieler, blieb bei zwölf Elfmetern ohne Fehlschuss. Mehmet Scholl, der eher für kreative Pässe erinnert wird, verwandelte alle elf seiner Strafstöße.

Diese Statistik erzählt eine andere Geschichte als die reine Trefferliste. Sie zeigt, dass Kaltenblütigkeit vom Punkt kein Nebenprodukt ist, sondern eine eigene Fertigkeit.

Der 5.000. Elfmeter als historische Markierung

Am 13. Dezember 2021 passierte etwas, das die Dimensionen des Themas sichtbar machte. Patrik Schick trat zum 5.000. Elfmeter der Bundesliga-Geschichte an und verwandelte ihn. Er war in dem Moment zugleich der tausendste Spieler überhaupt, der in der Liga einen Strafstoß ausgeführt hat.

Von diesen fünftausend Versuchen landeten 3.744 im Tor, eine Erfolgsquote von 74,9 Prozent. Das ist der statistische Hintergrund, vor dem alle Elfmeterschützen gemessen werden. Wer darüber liegt, gehört zu den Spezialisten. Wer darunter bleibt, muss sich fragen, warum er überhaupt antreten darf.

Torhüter: Die andere Seite der Rechnung

Zu jedem Elfmetertor gehört ein Torhüter, der ihn nicht verhindern konnte. Eike Immel sah sich in der Bundesliga 88 Elfmetern gegenüber, mehr als jeder andere Keeper. Er hielt elf davon. Eine Zahl, die weniger nach Rekord klingt und doch eine ist, allein wegen der Häufigkeit, mit der er sich der Situation stellen musste.

Historisch führt Rudi Kargus die Liste der gehaltenen Elfmeter an, mit 23 Paraden vom Punkt. Unter den aktiven Torhütern führte Koen Casteels die Quote an (Stand: Dezember 2021, bundesliga.com): elf Paraden bei 37 Versuchen, rund dreißig Prozent. Die meisten Elfmeter gegen sich hatte zum selben Stand Oliver Baumann mit 53 Versuchen. Zahlen, die zeigen, dass die alte Faustregel vom Elfmeter als sicheres Tor nicht für alle Keeper gilt.

Kuriositäten vom Punkt

Die Bundesliga-Geschichte kennt Spiele, in denen der Elfmeter alles überschattete. Fünfmal zeigte der Schiedsrichter in einer einzigen Partie auf den Punkt, als Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund in der Saison 1965/66 aufeinandertrafen. Ein Rekord, der bis heute steht (Stand: Dezember 2021, bundesliga.com).

Rund zwanzig Jahre später, im Jahr 1986, verwandelte Michael Nushöhr dreimal in einem einzigen Spiel vom Elfmeterpunkt. Drei Strafstöße für einen Spieler in neunzig Minuten, das grenzt an das, was man im modernen Fußball überhaupt noch für möglich hält. Für Freunde solcher Momente lohnt ein Blick auf kuriose Fußball-Fakten , die sich seltener auf einer Rekordliste als in der Erinnerung von Fans finden.

Auch Vereine schreiben Elfmeter-Geschichte. Mainz 05 hielt den Rekord für die meisten in Folge verwandelten Elfmeter (Stand: Dezember 2021, bundesliga.com): 32 Treffer am Stück seit Mai 2013. Eine Serie, die zeigt, dass eine klare Rangfolge der Schützen und ein eingespieltes Umfeld eine Mannschaft über Jahre tragen können.

Warum Kaltz’ Rekord so lange hält

Es gibt mehrere Gründe, warum die 53 Elfmeter von Manfred Kaltz schwerer zu überbieten sind, als es scheint. Erstens die Dauer: Kaltz spielte über eine ganze Ära beim HSV und trat nahezu jedes Spiel an. Zweitens die Rolle: Als Verteidiger musste er sich nicht gegen Stürmerkonkurrenz behaupten, wenn der Pfiff ertönte. Drittens die Konkurrenz der Gegenwart. Heute wechseln Elfmeterschützen innerhalb einer Mannschaft, Spieler ziehen nach wenigen Jahren weiter, und selten entwickelt ein Verein eine so klare Hierarchie wie der HSV in den Siebzigern und Achtzigern.

Lewandowski lieferte den Kontrast der jüngeren Vergangenheit. Seine 38 Treffer bei nur 42 Versuchen (Stand: Dezember 2021, bundesliga.com) zeigten, dass die Technik und Vorbereitung heutiger Spezialisten auf hohem Niveau sind. Dennoch müsste er noch viele Spielzeiten in Deutschland antreten, um Kaltz einzuholen, und das ist nach seinem Wechsel in die spanische Liga ausgeschlossen.

Ein Rekord, der eine Mentalität beschreibt

Elfmetertore sind oft die kaltblütigste Form des Toreschießens. Keine Verteidiger, kein Tempo, nur Schütze und Torhüter. In dieser Reduktion steckt der Reiz des Themas. Kaltz hat 53-mal diesen Moment gewonnen, 7-mal verloren. Müller 51-mal gewonnen, 12-mal verloren. Lewandowski 38-mal gewonnen, 4-mal verloren (Stand: Dezember 2021, bundesliga.com).

Jede dieser Zahlen beschreibt eine eigene Mentalität vom Punkt. Und jede davon zusammen beschreibt eine Liga, in der der Strafstoß Rekord nach Rekord geschrieben hat, ohne je an Spannung zu verlieren.

Dass ein Verteidiger die Liste der besten Elfmeterschützen anführt, bleibt die vielleicht schönste Pointe dieser Statistik. Sie erinnert daran, dass im Fußball nicht die Position darüber entscheidet, wer am Ende die wichtigste Zahl in den Rekordbüchern hinterlässt, sondern die Beständigkeit, mit der jemand bereit ist, immer wieder vom Punkt anzutreten.

Quellen